Grüne Politik gefragt, aber wer macht sie?

Lengede: Im Gemeinderat sind zwei Sitze der Partei unbesetzt, doch das soll sich (mal) ändern.

Von Arne Grohmann

Da war es nur noch keiner - hieß es Ende Dezember  2012 im Rat der Gemeinde Lengede. Der letzte Vertreter der Partei Bündnis  90/Die Grünen, Timo Stauber, gab sein Mandat wegen eines Wohnortwechsels ab.

Üblicherweise gibt es auf der von Parteien vor der Kommunalwahl aufgestellten Liste weitere Kandidaten als Nachrücker. Doch nicht bei den Grünen. Den zweiten Sitz, der der Partei nach der Wahl  2011 zustand, konnte diese von Anfang an nicht besetzen. So war Timo Stauber ein Einzelkämpfer, der sich aber als Gruppe mit der SPD zusammentat.

Für die Gemeinde Lengede ist bei den Grünen der 2014 gegründete Ortsverband Fuhsetal zuständig. Zu dem gehörten auch die inzwischen fusionierten Gemeinden Ilsede und Lahstedt. "Aber eigentlich war Lengede schon seit vielen Jahren mit dabei", erläuterte Ortsverbandssprecherin Stefanie Weigand im Gespräch mit unserer Zeitung.

In der Gemeinde Lengede hätten die Grünen die Situation, dass es für die Partei meistens recht gute Ergebnisse gebe. Aber, so Stefanie Weigand: "Es gibt Menschen, die diese Politik wollen, aber keinen, der sie macht."

Doch das soll sich ändern. Zwar habe der Grünen-Ortsverband Fuhsetal derzeit nur 13  Mitglieder, aber es gebe in der Gemeinde Lengede aktuell einen sehr engagierten Bürger. Und nach der in diesem Jahr in der neuen Großgemeinde Ilsede notwendig gewordenen Kommunalwahl im April für die fusionierten oder neuen Gremien soll dann auch bald der Wahlkampf in der Gemeinde Lengede eingeleitet werden.

Für die dort anstehende Kommunalwahl im Herbst  2016 würden Kandidaten für die Listen gesucht. "Sie müssen auch nicht gleich eintreten in die Partei", sagt Stefanie Weigand. Zunächst reiche es, grüne Politik vertreten zu wollen. Von Lengeder Bürgern gebe es oft die Rückmeldung, dass grüne Politik vor Ort gewünscht sei. Nun gehe es darum, Menschen zu motivieren, sich als Lokalpolitiker für die eigene Gemeinde (Gemeinderat) oder das eigene Dorf (Ortsrat) zu engagieren.

Stimmen für die Grünen gibt es, aber es fehlen die Lokalpolitiker. Wählt sich Grün eventuell zu leicht als akzeptabler Kompromiss, um nicht den traditionellen Volksparteien CDU oder SPD die Stimme zu geben. Ein bisschen für die Umwelt ist ja jeder.

"Die Partei ist nach mehr als 30  Jahren etabliert", ist Stefanie Weigand überzeugt. "Sie wird für ihre Werte und die Politik gewählt, und nicht, weil jemand keine andere Idee hat."

Die Zeit des Protestkreuzchens für die Grünen sei lange vorbei. "Da sind mittlerweile andere Parteien zuständig, die jedoch kommen und gehen." Zudem könne grüne Politik schon länger nicht nur auf Öko und Umweltschutz beschränkt werden.

Zu potenziellen Themen für die Gemeinde Lengede fällt Stefanie Weigand sofort das Stichwort Schacht Konrad ein. Rund um den Atommüll gebe es immer noch viele offene Fragen. "Und beim öffentlichen Nahverkehr ist Lengede etwas abgehängt."

Auch das Thema Logistik und Verkehr allgemein werde die Lengeder beschäftigen. Mit einer Zunahme des Verkehrs und der Transporte sei zu rechnen. "Aber über ihre Themen müssen die Menschen vor Ort selbst entscheiden", betont Stefanie Weigand. Da könne und wolle sie aus Ilsede nur Anregungen geben.

Im Rückblick auf den letzten Grünen Timo Stauber im Lengeder Rat ergänzt sie: "Ganz alleine ist es immer schwer, für eine Partei Politik zu machen." Die Gruppenbildung mit der SPD sei sinnvoll gewesen, auch um ein Anrecht auf Plätze in Ausschüssen der Gemeindepolitik haben zu dürfen.

Es sei erstaunlich, dass die Grünen so viele Stimmen bekommen hätten, dass es für zwei Sitze im Lengeder Rat gereicht habe. Immerhin sei Timo Stauber der einzige Kandidat auf der Liste für die Gemeinde Lengede gewesen. Und er sei dort zuvor relativ unbekannt gewesen. "Bei Kommunalwahlen wollen die Menschen Gesichter", sagt Stefanie Weigand.

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